Mein Vertrauen

Das Lied “Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen” gehört zu dem Chorälen, die fast so etwas wie Volkslied geworden sind. Es ist ein Lied für die großen Augenblicke des Lebens, in denen wir mehr als nur einen Moment überschauen:  Der Herr hat große Dinge an uns getan!

Weniger bekannt ist der Autor des Liedes, Martin Rinckart. Er lebte in der Zeit des 30jährigen Krieges, war Kantor und Pfarrer in der sächsischen Kleinstadt Eilenburg, wo er geboren und gestorben ist. Bekannt ist aber, dass er ein Wappen auf seinem Siegelring trug, auf dem Buchstaben eingraviert waren, ähnlich wie hier zu sehen. Auf den ersten Blick könnte man vielleicht an eine Jahreszahl in römischen Zahlen denken.  Wenn man es in eine Zeile schreibt – und dann noch weiß, dass in der lateinischen Schrift das V und das U nicht unterschieden wurden, dann wird es auf einmal lesbar: Es ist das Wort MUSICA. Nun kann man durchaus verstehen, dass einer, der begeistert war von der Musik, sie an der Thomasschule in Leipzig studiert hat und ein Leben lang ausgeübt hat, das auch zu einer Art Lebensmotto macht. Dennoch wundert es ein wenig, dass ein so frommer Mensch wie Rinckart eine solche Verehrung der Musik vor sich her trägt.

Darum muss man wissen, dass für Martin Rinckart dieses Wort nicht nur für sich stand. Er deutete es als ein sogenanntes Acrostychon, bei dem jeder Buchstaben den Anfangsbuchstabe eines Wortes bildet.  Er interpretierte sie als Anfangsbuchstaben des Satzes: Mein Vertrauen Steht In Christus Allein. Ein tiefes Vertrauensbekenntnis und offenbar der tiefere Sinn all der Musik, die er gemacht hat.

Was ist das Geheimnis der Musik? Auch in unseren Gemeinden spielt die Musik eine große Rolle. Wir diskutieren darüber, wir verwenden Zeit darauf, wir laden ein zum Singen, der Chor trägt dazu bei, genauso wie die Posaunen und die Bands. Wir haben begabte Musiker – manchmal auch unterschiedliche Geschmäcker.  Wir anerkennen das und klatschen dafür auch mal Beifall – und das ist gut.

Aber wissen wir um dieses Geheimnis, das darin steckt: dass wir in all der Musik dieses Bekenntnis hören lassen: Mein Vertrauen steht in Christus allein. Der Heidelberger Katechismus, einer der Grundtexte der Reformation, sagt es so:  „Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele, beides, im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin.“

Das ist das Große, das Gott an uns tut und das Rinckart besingt. Es ist der Sieg über das Böse, der in Christus an Ostern errungen ist. Alles hat er getan zu meiner Seligkeit. Dieser Sieg ist oft versteckt. Man kann ihn nur erahnen. Er bleibt ein Geheimnis, verborgen manchmal unter ganz anderen Dingen.  Aber das Geheimnis unseres Lebens ist das  Vertrauen, dass wir in ihn haben.  Möge jeder Ton, der aus unserer Seele und unseren Instrumenten kommt, möge unser ganzes Musizieren und singen, immer wieder dieses Geheimnis in sich tragen und dieses Bekenntnis spiegeln: Mein Vertrauen steht in Christus allein.

Pastor Dr. Hans-Martin Niethammer