Wie soll ich dich empfangen?

Wie soll ich dich empfangen

Wir empfangen und wir werden empfangen - beides kennen wir. Empfangsbereitschaft und Empfänglichkeit hat viel mit Gastfreundschaft, Offenheit und der Bereitschaft, sich vorzubereiten zu tun. Von zwei Erfahrungen aus meinem Leben möchte ich Ihnen erzählen:

Einen besonderen Empfang haben wir unseren Kindern bereitet. Alles war fertig vorbereitet für die Geburt. Wickeltisch und Stubenwagen samt niedlicher Bettwäsche haben wir besorgt, die Erstlingsausstattung wartete auf das noch Ungeborene, von dem wir ja nicht wussten, ob Junge oder Mädchen. Deshalb in den Farben grün und lila. Schnullis, Windelpakete, Kinderwagen, Wippe, Badetuch, Mützchen bekamen wir geschenkt und nicht zuletzt klebten wir eine Banderole mit fröhlichen Kindermotiven an die Wand. Alles sollte aufs Schönste und Beste für das Baby fertig sein. Das Besorgen und Vorbereiten auf den Empfang des Babies zuhause hat schon im Vorfeld unglaublich viel Freude gemacht. Noch heute erinnere ich diese Zeit als eine der schönsten in meinem Leben. Die allermeisten werdenden Eltern bereiten ihrem Baby einen solch freudigen erwartungsvollen Empfang, wenn es das erste Mal nach Hause kommt.

Wir sind durch unsere verschiedenen Dienstzuweisungen auch öfter in den Genuss gekommen, selbst empfangen zu werden. Ein besonders unvergessliches Beispiel war unser Empfang in Schorndorf. Schon im Vorfeld war der Bezirk äußerst bemüht, uns jeden noch so kleinen Wunsch zu erfüllen. In den Urlaub nach Italien wurden uns Raufasertapetenmuster geschickt, damit wir die schönsten aussuchen konnten. Das hatten wir gar nicht erwartet oder gar gefordert, es wäre uns selbst nicht in den Sinn gekommen. Als wir mit dem Möbelwagen nach 450 km Fahrt ankamen, war das Haus geschmückt mit einer Blumengirlande rund um die Haustür, an der ein Schild befestigt war: Herzlich willkommen! In der Wohnung stand eine liebevoll vorbereitete Mahlzeit sowie eine Flasche Sekt als Willkommensgruß. Wir fühlten uns wirklich warmherzig empfangen. Ein nicht zu unterschätzendes Zeichen für einen verheißungsvollen Start in eine gemeinsame Berufung.

Vermutlich gibt es auch die gegenteiligen Erfahrungen. Wir sollten jemand freundlich und aufmerksam empfangen, schaffen es aber nicht. Weil wir keine Zeit haben oder einfach unaufmerksam sind oder weil uns schlicht die Lust, Energie oder Kreativität dazu fehlen. Und andersrum kann es uns auch passieren, dass wir nicht besonders nett und offen irgendwo, wo wir neu sind, empfangen werden, sondern distanziert, uninteressiert, unaufmerksam oder gar ablehnend.

Wie soll ich dich empfangen? fragt Paul Gerhard in einem der bekanntesten Adventslieder und spricht damit Gott und sein angekündigtes Kommen direkt an.  Und ich stelle mir die Frage: bin ich bereit, für das Kommen meines Gottes soviel Aufwand, Kosten und Mühen auf mich zu nehmen, wie ich es für den Empfang meiner Kinder gemacht habe? Bin ich bereit, meinem Gott und seiner adventlichen Ankunft soviel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie es sich gebührt? Wie könnte diese Empfangsbereitschaft aussehen? Wichtig ist für mich an allererster Stelle die Stille, die Einkehr, das Hinhören. Genau das, was mir und Ihnen vielleicht auch so schwer fällt. Ohne das aber Gott nicht wirklich ins Leben kommen kann. Es braucht ja kein ganzer Tag der Stille zu sein, das schaffen wir in der Adventszeit eh kaum. Aber doch mir jeden Tag eine Zeit des Innehaltens vorzunehmen, wo Handy, whatsapp, E-Mails und Terminkalender keinen Zugriff auf mein Leben haben. Kein Empfang unter diesen Nummern und Anschlüssen, hieß es früher, wenn man sich verwählt hatte.  Dafür aber empfangsbereit für Gott werden - das kann doch nicht so schwer sein, dass wir das nicht schaffen können. Wo ich etwas wirklich aus tiefstem Herzen und mit großer Überzeugung möchte, setze ich es auch um und schaffe mir dafür Raum. Wenn Gott mein tiefstes Verlangen ist und die Zierde meiner Seele, werde ich alles dafür tun, ihn zu empfangen und ihm zu begegnen. Vielleicht erleben wir uns dann an den Tagen, Abenden und Nächten der Adventszeit besonders empfänglich.
Empfänglich für Trost und Nahesein, für überraschendes Kommen und unerwarteten Herzensfrieden. Empfänglich für das Reden des Geistes und Jesu liebevolles Anrühren. Wir können nichts erzwingen, aber uns empfangsbereit halten, das sollen wir. Paul Gerhard hat es in seinem Lied so formuliert:

Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.

Eine empfängliche Adventszeit wünscht Ihnen

Ihre Ulrike Burkhardt-Kibitzki